Zurück zum Blog
26. Oktober 20267 Min. Lesezeit

Futures-Rollover im Trading-Bot: Was beim Kontraktwechsel schiefgehen kann

Futures haben ein Verfallsdatum. Wer einen Index-Future wie den E-mini S&P 500 handelt, handelt immer einen bestimmten Kontrakt, und der wird vierteljährlich vom nächsten abgelöst. Für manuelle Trader ist der Futures-Rollover ein Termin im Kalender. Für einen Trading-Bot betrifft er drei Stellen gleichzeitig: die historischen Daten, auf denen getestet wurde, die Orders, die live gesendet werden, und alle Niveaus, die über den Wechsel hinweg berechnet werden.

Was beim Rollover passiert

Die großen US-Index-Futures laufen im Quartalszyklus - März, Juni, September, Dezember - und verfallen jeweils am dritten Freitag des Monats. Die Liquidität wandert aber nicht erst am Verfallstag, sondern meist schon gut eine Woche vorher in den nächsten Kontrakt. Ab dann ist der alte Kontrakt dünn, und wer dort weiterhandelt, zahlt das über schlechtere Ausführung. Zwischen beiden Kontrakten liegt zudem ein Preisunterschied, der mit Zinsen und Dividenden zusammenhängt - und genau dieser Unterschied ist die Ursache für die meisten Probleme in den Daten.

Drei Arten von Endloskontrakten - und was sie verfälschen

Für Backtests über mehrere Quartale werden die einzelnen Kontrakte zu einer durchgehenden Reihe zusammengesetzt. Wie das geschieht, entscheidet darüber, welche Regeln sich damit überhaupt sinnvoll prüfen lassen:

  • Unbereinigt aneinandergereiht: Jeder Kurs ist echt, aber an jedem Wechsel entsteht ein Sprung, den es in keinem Markt gab. Indikatoren reagieren darauf wie auf eine echte Bewegung
  • Differenzbereinigt (back-adjusted): Ältere Daten werden um den Preisunterschied verschoben, der Sprung verschwindet. Abstände in Punkten stimmen, die absoluten Kurse der Vergangenheit dagegen nicht mehr
  • Verhältnisbereinigt: Ältere Daten werden prozentual angepasst. Prozentuale Veränderungen bleiben erhalten, Abstände in Punkten und absolute Kurse nicht

Welche Regel welche Datenreihe braucht

  • Abstände und Indikatoren wie gleitende Durchschnitte, ATR-Vielfache oder Stops in Punkten: differenzbereinigte Daten
  • Feste Preisniveaus wie runde Marken, Vortageshoch oder Volume-Profile-Niveaus: die echten Kurse des jeweiligen Kontrakts, keine bereinigte Reihe
  • Prozentuale Regeln: verhältnisbereinigte Daten
  • Ergebnis einer Position über einen Wechsel hinweg: berechnet aus dem tatsächlichen Schließen und Neueröffnen, nicht aus einem bereinigten Kurs

Dazu kommt ein Punkt, der selten erwähnt wird: Eine bereinigte Reihe verändert sich mit jedem neuen Wechsel rückwirkend. Wer denselben Backtest ein Quartal später wiederholt, rechnet auf anderen historischen Kursen. Methode, Wechselregel und Datenstand gehören deshalb zu jedem Testergebnis dazu.

Soll dein Bot den Kontraktwechsel selbst übernehmen?

Beschreib uns Instrument und Strategie - Machbarkeitseinschätzung und Angebot sind kostenlos und unverbindlich.

Projekt anfragen

Was der Bot am Wechseltag tun muss

  • Den Kontrakt wechseln: Orders gehen immer an einen konkreten Kontrakt, nie an eine Endlosreihe. Der Bot braucht eine klare Regel, ab wann er den neuen Kontrakt handelt
  • Offene Positionen behandeln: über den Wechsel halten, vorher schließen oder aktiv in den neuen Kontrakt übertragen - eine bewusste Entscheidung statt eines stillen Standardverhaltens
  • Niveaus richtig übernehmen: Ein Vortageshoch aus dem alten Kontrakt liegt im neuen um den Preisunterschied versetzt. Wird es ungeprüft übernommen, sitzt es an der falschen Stelle
  • Laufende Berechnungen neu aufsetzen: Kumulierte Werte wie Cumulative Delta oder Session-Profile beginnen im neuen Kontrakt mit dessen eigenen Daten

Warum gerade kumulierte Werte am Reset-Punkt hängen, steht im Beitrag zu Cumulative Delta (CVD).

Welche weiteren Termine ein reines Zeitfenster nicht abdeckt, behandelt der Beitrag zu Handelszeiten und Zeitzonen im Trading-Bot.

Häufige Fragen

Wann genau sollte ein Bot auf den neuen Kontrakt wechseln?

Nicht erst am Verfallstag, sondern wenn sich die Liquidität verlagert hat - bei den großen Index-Futures meist gut eine Woche vor dem Verfall. Den genauen Termin legt die eigene Wechselregel fest, und die sollte im Backtest und live identisch sein.

Kann ich einfach auf dem Endloskontrakt meiner Plattform testen?

Ja, solange klar ist, wie er zusammengesetzt wird und welche Regeln sich damit sinnvoll prüfen lassen. Wer mit festen Preisniveaus arbeitet, sollte diese aus den echten Kursen des jeweiligen Kontrakts beziehen.

Ist der Preisunterschied beim Rollover ein Verlust?

Nein. Beim aktiven Übertragen wird die Position im alten Kontrakt geschlossen und im neuen eröffnet - es fallen also zwei Ausführungen mit Gebühren und Spread an. Der Preisunterschied zwischen den Kontrakten selbst ist dagegen weder Gewinn noch Verlust.

Muss ein Bot den Rollover automatisch erledigen?

Nicht zwingend. Bei Strategien, die selten im Markt sind, kann ein manueller Wechsel viermal im Jahr genügen. Wichtig ist nur, dass das Verhalten festgelegt ist und der Bot nicht unbemerkt im auslaufenden Kontrakt weiterhandelt.

Der Rollover ist vorhersehbar wie kaum ein anderes Ereignis im Futures-Handel - der Termin steht Jahre im Voraus fest. Umso ärgerlicher ist es, wenn ein Bot genau daran scheitert. Die Entscheidungen dafür lassen sich vollständig beim Entwurf treffen.

Eigene Idee für ATAS?

Beschreibe uns dein Vorhaben - du erhältst ein kostenloses, unverbindliches Angebot innerhalb von 24-48 Stunden.

Kostenloses Angebot anfordern