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22. Oktober 20267 Min. Lesezeit

Renko und Range Bars im Backtest: Warum die Ergebnisse oft zu glatt aussehen

Renko- und Range-Bars sind bei Daytradern beliebt, weil sie Rauschen herausfiltern: Ein neuer Balken entsteht nicht nach Zeit, sondern erst nach einer festgelegten Preisbewegung. Genau diese Eigenschaft macht einen Renko-Backtest aber tückisch - die Ergebnisse sehen auf solchen Charts oft deutlich glatter aus, als sie live je wären.

Was Renko und Range Bars von Zeitkerzen unterscheidet

Bei Renko entsteht ein neuer Baustein, ein sogenannter Brick, sobald der Preis eine feste Strecke über oder unter den letzten Brick hinaus gelaufen ist. Bei Range Bars schließt ein Balken, sobald seine Spanne zwischen Hoch und Tief eine feste Größe erreicht. In beiden Fällen spielt die Zeit für die Bildung keine Rolle: Ein Balken kann Sekunden oder Stunden dauern. Für die Chartbetrachtung ist das der Vorteil - für jede Logik, die stillschweigend von gleich langen Balken ausgeht, eine Fehlerquelle.

Warum Renko-Backtests zu gut aussehen

  • Synthetische Preise: Je nach Umsetzung entspricht der Eröffnungskurs eines Bricks keinem tatsächlich gehandelten Kurs, sondern wird aus dem Raster abgeleitet. Ein Backtest, der dort einsteigt, handelt zu einem Preis, den es so nie gab
  • Fehlende Zwischenstände: Wird der Chart aus Kerzendaten statt aus Ticks aufgebaut, fehlen alle Bewegungen dazwischen - Rücksetzer, die einen Stop ausgelöst hätten, sind schlicht nicht sichtbar
  • Einstieg auf dem nächsten Balken: Wird erst zur Eröffnung des folgenden Bricks gehandelt, liegt der Einstieg bei einer Umkehr schnell eine volle Brick-Größe vom Signal entfernt - im Backtest oft deutlich näher
  • Stops nur auf Balkenebene: Ein Stop, der nur beim Abschluss eines Balkens geprüft wird, kann im Backtest an einer Stelle greifen, die live längst überschritten war

Der unterschätzte Punkt: Wo der erste Brick liegt

Bei manchen Umsetzungen hängt die Lage aller Bricks davon ab, ab welchem Zeitpunkt die Daten geladen werden: Der erste Kurs setzt das Raster, alles Weitere baut darauf auf. Zwei Charts desselben Instruments mit unterschiedlichem Startdatum zeigen dann unterschiedliche Bricks - und damit unterschiedliche Signale. Für einen Bot ist das gravierend. Ein Backtest ist nur reproduzierbar, wenn das Raster fest verankert ist, etwa an runden Vielfachen der Brick-Größe, statt am zufälligen ersten Datenpunkt.

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Indikatoren auf Renko- und Range-Charts

Ein gleitender Durchschnitt über vierzehn Balken umfasst auf einem Zeitchart immer dieselbe Zeitspanne. Auf Renko oder Range Bars kann dieselbe Einstellung einmal zehn Minuten und einmal einen halben Tag abdecken. Das ist kein Fehler, muss aber bewusst sein. Problematisch wird es, wenn eine Regel eigentlich eine Zeit meint - etwa die letzte Stunde oder den Handelsbeginn - und trotzdem über eine Anzahl von Balken umgesetzt wird. Solche Bedingungen gehören an die Zeitstempel, nicht an die Balkenzahl. Außerdem gilt wie bei Zeitkerzen: Der letzte Brick ist erst abgeschlossen, wenn der nächste beginnt, und Signale darauf werden erst danach ausgewertet.

Wie sich realistischer testen lässt

  • Den Chart im Backtest aus Tickdaten aufbauen statt aus Kerzen, sofern Plattform und Datenbestand das hergeben
  • Einstiege und Stops gegen tatsächlich gehandelte Kurse prüfen, nicht gegen Eröffnungs- oder Schlusswerte der Bricks
  • Das Raster fest verankern, damit dieselben Daten immer dieselben Bricks ergeben
  • Die Ergebnisse anschließend in einem Forward-Test Trade für Trade mit dem Backtest abgleichen

Warum Signale erst auf abgeschlossenen Balken ausgewertet werden sollten, steht im Beitrag zu Repainting.

Wie der Abgleich zwischen Backtest und Livebetrieb konkret abläuft, behandelt der Beitrag zum Forward-Test für Trading-Bots.

Häufige Fragen

Sind Renko-Charts für automatisierte Strategien ungeeignet?

Nein. Viele Strategien laufen auf Renko oder Range Bars. Ungeeignet ist nur ein Backtest, der die Eigenheiten des Charttyps ignoriert. Wer synthetische Preise und fehlende Zwischenstände berücksichtigt, kann auch darauf belastbar testen.

Was ist der Unterschied zwischen Renko und Range Bars?

Renko-Bricks entstehen nach einer festen Bewegung über den letzten Brick hinaus und reduzieren den Verlauf auf gleich große Bausteine. Range Bars schließen nach einer festen Spanne zwischen Hoch und Tief und zeigen diese beiden Werte weiterhin an.

Warum zeigt mein Renko-Chart nach dem Neuladen andere Bricks?

Weil bei manchen Umsetzungen der erste geladene Kurs das Raster bestimmt. Mit einem anderen Startzeitpunkt verschiebt sich das Raster und damit jeder einzelne Brick. Abhilfe schafft eine feste Verankerung des Rasters.

Lässt sich ein bestehender Renko-Indikator realistischer machen?

In der Regel ja: Auswertung nur auf abgeschlossenen Bricks, ein fest verankertes Raster und Ausführung gegen echte Kurse statt gegen Brick-Werte. Signale erscheinen dadurch teilweise später, entsprechen aber dem, was live tatsächlich möglich ist.

Renko und Range Bars sind gute Werkzeuge, um Bewegung sichtbar zu machen. Ein Backtest auf ihnen ist aber nur so ehrlich wie die Preise, zu denen er handelt - und auf diesen Charttypen weichen die gezeichneten Preise leichter von den gehandelten ab als irgendwo sonst.

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