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26. September 20267 Min. Lesezeit

Slippage im Trading-Bot: Warum der Backtest den Einstiegspreis schönrechnet

Ein automatisierter Einstieg besteht aus zwei Preisen, die selten identisch sind: dem Kurs, bei dem das Signal entsteht, und dem Kurs, zu dem die Order tatsächlich ausgeführt wird. Die Differenz heißt Slippage. Sie fällt bei automatisierten Strategien oft stärker ins Gewicht als beim manuellen Handel - nicht weil die Technik langsamer wäre, sondern weil ein Bot genau in den Momenten auslöst, in denen viele andere ebenfalls reagieren.

Was ein Backtest über die Ausführung stillschweigend annimmt

Ein Backtest füllt die Order in aller Regel zum Signalpreis oder zum Schlusskurs der Kerze, in voller Größe und ohne Spread. Live trifft dieselbe Order auf ein Orderbuch, das sich in der Zwischenzeit bewegt hat, und bekommt den Preis, den dieses Buch in genau diesem Moment hergibt. Der Unterschied ist kein Rundungsfehler, sondern eine Kostenposition, die bei jedem einzelnen Trade anfällt - und zwar immer in dieselbe Richtung.

Market-Order: sichere Ausführung, unsicherer Preis

Eine Market-Order nimmt, was im Buch liegt. Die Ausführung ist damit praktisch sicher, der Preis nicht. In dünnen Büchern oder unmittelbar nach einem Auslöser, auf den viele Marktteilnehmer gleichzeitig reagieren, kann die Ausführung mehrere Ticks vom erwarteten Kurs entfernt liegen. Der Vorteil bleibt trotzdem erheblich: Die Strategie kommt in die Position, für die sie entworfen wurde.

Limit-Order: sicherer Preis, unsichere Ausführung

Eine Limit-Order wird zum gewünschten Kurs oder besser ausgeführt - oder eben gar nicht. Der eigentliche Haken liegt dabei nicht darin, dass Trades ausfallen, sondern darin, welche ausfallen: Ausgeführt wird bevorzugt dann, wenn der Preis noch einmal zurückkommt. Nicht ausgeführt wird, wenn der Markt sofort wegläuft. Damit fehlen systematisch die schnellen Bewegungen, während die zögerlichen vollständig im Ergebnis landen. Eine Limit-Order senkt also nicht einfach die Kosten, sie verändert die Zusammensetzung der Trades - und ein Backtest, der jede Limit-Order als ausgeführt behandelt, schönt das Ergebnis noch deutlicher als einer mit Market-Orders.

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Der Sonderfall Stop-Order

Bei Schutz-Stops kehrt sich die Abwägung um. Eine Stop-Market-Order wird beim Auslösen zum nächstmöglichen Kurs ausgeführt und kann in einer schnellen Bewegung spürbar schlechter füllen. Eine Stop-Limit-Order vermeidet genau das - um den Preis, dass sie unausgeführt bleiben kann, wenn der Markt über das Limit hinwegspringt. Dann steht die Position weiter offen, obwohl der Stop ausgelöst hat. Für eine Absicherung ist das meist die falsche Richtung: Dort zählt, dass man draußen ist, nicht zu welchem Kurs auf den Tick genau.

Wann Ausführungskosten über die Strategie entscheiden

  • Verhältnis von durchschnittlichem Gewinn je Trade zu Ausführungskosten - bei Zielen von wenigen Ticks kann ein einziger Tick Slippage die gesamte Erwartung aufzehren
  • Handelsfrequenz, denn Kosten je Trade summieren sich linear über die Anzahl der Trades
  • Instrument und Uhrzeit, weil Ausführungsqualität nicht konstant ist, sondern an Liquidität und Handelszeit hängt
  • Ordergröße im Verhältnis zur Markttiefe - eine Order, die mehrere Preisniveaus abräumt, erhält einen Mischpreis statt des besten Kurses

Was der Bot dazu protokollieren sollte

  • Erwarteter Kurs zum Signalzeitpunkt und tatsächlicher Ausführungskurs, je Order gespeichert
  • Auswertung nach Instrument, Tageszeit und Ordertyp statt eines einzelnen Durchschnittswerts
  • Teilausführungen getrennt erfasst, da ein Mischpreis sonst wie eine saubere Ausführung aussieht
  • Nicht ausgeführte Limit-Orders mitgezählt - ohne sie fehlt genau der Teil, der die Statistik verzerrt

Dass ein Backtest auch unabhängig von der Ausführung zu freundlich ausfallen kann, steht ausführlicher im Beitrag zu Overfitting bei Trading-Strategien.

Häufige Fragen

Lässt sich Slippage im Backtest berücksichtigen?

Ein pauschaler Kostenabzug je Trade ist möglich und besser als gar keine Annahme. Er bildet allerdings nicht ab, dass Ausführungskosten genau dann am höchsten sind, wenn sie am meisten wehtun - in schnellen Bewegungen. Belastbar wird die Zahl erst, wenn sie später gegen echte Ausführungen aus dem Livebetrieb gehalten wird.

Ist eine Limit-Order nicht grundsätzlich die bessere Wahl?

Nein. Sie senkt die Kosten je ausgeführtem Trade, entfernt dafür aber bevorzugt die schnellen Bewegungen aus dem Ergebnis. Ob das passt, hängt davon ab, ob die Strategie darauf angewiesen ist, an einer sofort einsetzenden Bewegung teilzunehmen.

Hilft ein schnellerer Server gegen Slippage?

Er reduziert den Anteil, der auf Latenz zurückgeht, nicht den Anteil, der auf Liquidität zurückgeht. Wenn im Orderbuch schlicht zu wenig liegt, ändert eine schnellere Verbindung daran nichts.

Wie viel Slippage ist normal?

Dafür gibt es keinen allgemeingültigen Wert - er hängt an Instrument, Ordergröße, Handelszeit und Ordertyp. Eine brauchbare Zahl liefert nur die eigene Protokollierung, und genau deshalb gehört sie von Anfang an in den Bot.

Ausführungskosten lassen sich nicht wegprogrammieren, aber sie lassen sich messen. Eine Strategie, die erst nach Abzug realistischer Ausführung noch tragfähig aussieht, steht deutlich solider da als eine, deren Vorsprung vollständig in der Annahme des Backtests steckt.

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