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30. September 20267 Min. Lesezeit

Bid/Ask, Delta oder Volumen: Welcher Footprint-Modus welche Frage beantwortet

Ein Footprint - je nach Plattform auch Cluster-Chart genannt - zerlegt eine Kerze in ihre Preisniveaus und zeigt, was auf jedem einzelnen davon gehandelt wurde. Die zugrunde liegenden Daten sind dabei immer dieselben: jede Ausführung mit Preis, Menge und der Information, ob sie in den Bid oder in den Ask ging. Was sich zwischen den Darstellungsmodi unterscheidet, ist ausschließlich die Verdichtung dieser Daten.

Bid/Ask: die Rohform

Zwei Zahlen je Preisniveau - das Volumen, das in den Bid gehandelt wurde, und das Volumen, das in den Ask ging. Das ist die informationsreichste und gleichzeitig anstrengendste Ansicht. Sie ist die einzige, in der sich Verhältnisse direkt beurteilen lassen, und damit auch die einzige tragfähige Grundlage für die Erkennung von Imbalances: Ein Imbalance ist nichts anderes als ein Verhältnis zwischen zwei dieser Zahlen.

Delta: verdichtet, aber nicht verlustfrei

Delta ist die Differenz aus Ask- und Bid-Volumen je Niveau, also eine Zahl statt zwei. Das liest sich schneller, kostet aber Information: 500 gegen 400 und 5000 gegen 4900 ergeben beide ein Delta von plus 100. Ein ruhiges Niveau und ein hart umkämpftes sehen im Delta identisch aus. Für einen schnellen Richtungseindruck über viele Kerzen hinweg bleibt es trotzdem die praktischere Ansicht.

Volumen: wo gehandelt wurde, nicht von wem

Der Volumenmodus zeigt das Gesamtvolumen je Niveau ohne Richtung. Er beantwortet eine andere Frage als die beiden vorigen: Auf welchen Preisen hat tatsächlich Geschäft stattgefunden, welche Niveaus hat der Markt angenommen und welche hat er nur durchlaufen? Das ist die Profil-Perspektive innerhalb einer einzelnen Kerze. Die Richtung muss dann aus einem anderen Modus kommen.

Eigene Footprint-Auswertung statt reiner Darstellung?

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Markierungen sind keine eigene Datenquelle

Imbalance-Hervorhebungen und ähnliche Einfärbungen wirken wie ein zusätzlicher Modus, sind aber etwas anderes: Sie wenden eine Regel auf die Bid- und Ask-Zahlen an und heben das Ergebnis hervor. Ihr Nutzen hängt damit vollständig an den gewählten Schwellenwerten - dieselbe Kerze kann je nach Einstellung voller Markierungen oder völlig unauffällig sein.

Der wichtigste Punkt: Darstellung ist nicht Berechnungsgrundlage

Für einen individuellen Indikator oder einen Bot ist der eingestellte Modus ohne Bedeutung. Die Logik liest immer die zugrunde liegenden Bid- und Ask-Werte je Niveau, unabhängig davon, was auf dem Bildschirm steht. Probleme entstehen erst, wenn eine Regel in der Sprache der gewählten Ansicht beschrieben wird - etwa als grün eingefärbte Zelle - statt in den Zahlen dahinter. Ein Regelwerk, das automatisiert laufen soll, muss auf Datenebene formuliert sein.

Welcher Modus welche Frage beantwortet

  • Wer war aggressiv, und in welchem Verhältnis? Das zeigt nur die Bid/Ask-Ansicht
  • In welche Richtung lag der Überhang, kompakt über viele Kerzen hinweg? Das ist die Stärke der Delta-Ansicht
  • Welche Preisniveaus hat der Markt angenommen, welche nur durchlaufen? Das beantwortet die Volumenansicht
  • Wo war die Aggression auffällig einseitig? Das leisten Imbalance-Markierungen auf Basis der Bid- und Ask-Zahlen

Wie aus diesen Verhältnissen zusammenhängende Zonen werden, steht im Beitrag zu Stacked Imbalances im Footprint.

Wie sich Delta über die einzelne Kerze hinaus aufsummieren lässt, behandelt der Beitrag zu Cumulative Delta (CVD).

Häufige Fragen

Welcher Footprint-Modus eignet sich für den Anfang?

Bid/Ask, weil er nichts weglässt. Delta und Volumen sind daraus abgeleitet - wer die Rohzahlen einmal gelesen hat, versteht anschließend auch, was die verdichteten Ansichten zeigen und was sie unterschlagen.

Warum zeigen Delta und Volumen manchmal ein widersprüchliches Bild?

Weil sie verschiedene Fragen beantworten. Hohes Volumen bei einem Delta nahe null bedeutet, dass beide Seiten kräftig gehandelt haben und keine sich durchsetzen konnte. Das ist kein Widerspruch, sondern die Beschreibung eines umkämpften Niveaus.

Braucht ein automatisierter Bot überhaupt eine Footprint-Darstellung?

Für die Ausführung nicht - der Bot liest die Zahlen, nicht das Bild. Für Entwicklung und Kontrolle bleibt die Darstellung trotzdem nützlich, weil sich nur so nachvollziehen lässt, ob eine Regel genau dort greift, wo sie greifen soll.

Lassen sich mehrere Modi in einem individuellen Indikator kombinieren?

Ja, und das ist ein häufiger Wunsch - etwa Volumen als Grundeinfärbung, darüber Imbalance-Markierungen und Delta nur auf Niveaus oberhalb einer Mindestmenge. Voraussetzung ist lediglich, dass jede Regel eindeutig formuliert ist.

Die Modi konkurrieren nicht miteinander, sie beantworten unterschiedliche Fragen aus demselben Datensatz. Wer weiß, welche Frage gerade offen ist, wählt die passende Ansicht - und wer eine Auswertung automatisieren will, formuliert sie ohnehin eine Ebene darunter.

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